555-Timer-Rechner
Berechnen Sie Frequenz, Periode und Tastgrad für 555-Timer-Schaltungen.
Was ist ein 555-Timer-Rechner?
Ein 555-Timer-Rechner berechnet die Bauteilwerte (Widerstaende und Kondensator) fuer den NE555-Timer-IC in seinen verschiedenen Betriebsarten. Der 555 ist der meistverkaufte IC der Geschichte.
Der 1972 von Hans Camenzind (Signetics) entworfene NE555 wird jedes Jahr in Milliarden Stueckzahlen produziert. Er kann als Oszillator, Timer, Pulsgenerator und Monoflop verwendet werden.
Die 555-Timer-Pinbelegung und die Funktion jedes Pins
Der 555-Timer-IC kommt in einem 8-Pin-DIP-Gehäuse. Zu wissen, was jeder Pin tut, ermöglicht es, Schaltungen sicher aufzubauen und Fehler schneller zu beheben.
- Pin 1 — GND: Massebezug der Schaltung.
- Pin 2 — TRIGGER: Wird dieser Pin unter 1/3 Vₛₛₛ gezogen, wird der Ausgang auf High gesetzt. Im astabilen Betrieb ist er mit dem Schwellwert-Pin verbunden.
- Pin 3 — OUTPUT: Der Hauptausgang, der zwischen nahe Masse und nahe Vₛₛₛ pendelt. Kann bis zu 200 mA liefern oder aufnehmen.
- Pin 4 — RESET: Aktiv-Low. Wenn nicht verwendet, an Vₛₛₛ legen; Low-Pegel erzwingt sofort einen Low-Ausgang.
- Pin 5 — CONTROL VOLTAGE: Bietet Zugang zum internen 2/3-Vₛₛₛ-Spannungsteiler. Wenn nicht verwendet, mit einem 10-nF-Kondensator gegen Masse entkoppeln.
- Pin 6 — THRESHOLD: Überschreitet dieser Pin 2/3 Vₛₛₛ, wird der Ausgang auf Low zurückgesetzt.
- Pin 7 — DISCHARGE: Open-Collector-Ausgang, der den Timing-Kondensator während der Low-Phase gegen Masse kurzschließt.
- Pin 8 — Vₛₛₛ: Versorgungsspannung, 4,5 V bis 15 V für den bipolaren NE555 (2 V bis 15 V für CMOS-Varianten).
Astabiler Modus (Oszillator)
Im astabilen Modus erzeugt der 555 ein Rechtecksignal mit einstellbarer Frequenz und Tastverhaeltnis. Frequenz = 1,44 / ((R1 + 2*R2) * C). Tastverhaeltnis = (R1 + R2) / (R1 + 2*R2). R1 und R2 sind Widerstaende, C der Timing-Kondensator.
Monostabiler Modus (Timer)
Im monostabilen Modus erzeugt der 555 einen einzelnen Ausgangsimpuls definierter Laenge nach einem Trigger. Pulsdauer t = 1,1 * R * C. Fuer 1 Sekunde: z.B. R = 91 kOhm, C = 10 uF.
Rechenbeispiele
Astabiles Beispiel: 1-kHz-Audiotongenerator
Ziel: eine Rechteckwelle mit etwa 1 kHz, die zum Ansteuern eines kleinen Piezo-Lautsprechers geeignet ist. Wähle R1 = 1 kΩ, R2 = 720 Ω, C = 1 µF. Die Formel f = 1,44 ÷ ((R1 + 2×R2) × C) = 1,44 ÷ ((1 000 + 1 440) × 0,000 001) = 1,44 ÷ 0,002 44 ≈ 590 Hz anwenden. Praktischer Hinweis: Für Standardbauteilwerte R1 = 1 kΩ, R2 = 10 kΩ, C = 100 nF verwenden. Das ergibt f = 1,44 ÷ ((1 000 + 20 000) × 0,000 000 1) = 1,44 ÷ 0,0021 ≈ 686 Hz mit einem Tastverhältnis von 91,7 %. Ein guter Ausgangspunkt für eine Summer-Schaltung.
Für einen LED-Blinker mit nahezu 50 % Tastverhältnis bei etwa 1 Hz: R1 = 1 kΩ, R2 = 22 kΩ, C = 100 nF verwenden: f = 1,44 ÷ ((1 000 + 44 000) × 0,000 000 1) = 1,44 ÷ 0,0045 = 320 Hz. Um auf ~1 Hz zu verlangsamen, C auf 100 µF skalieren: f = 1,44 ÷ (45 000 × 0,000 1) = 1,44 ÷ 4,5 ≈ 0,32 Hz – etwa ein Blinken alle 3 Sekunden. R2 auf 68 kΩ mit einem 100-µF-Kondensator erhöhen ergibt ungefähr 1 Blinken pro Sekunde.
Monostabiles Beispiel: 1-Sekunden-Timer
Um einen 1-Sekunden-Ausgangsimpuls zu erzeugen, gilt t = 1,1 × R × C. Umgestellt auf Standardwerte: Bei C = 10 µF ergibt sich R = 1,0 ÷ (1,1 × 0,000 010) = 90 909 Ω ≈ 91 kΩ (nächster E24-Normwert: 91 kΩ). Probe: t = 1,1 × 91 000 × 0,000 010 = 1,001 s – für die meisten Timing-Anwendungen präzise genug.
Für einen kürzeren Impuls von 11 ms – nützlich zum Entprellen eines mechanischen Schalters – R = 10 kΩ, C = 1 µF verwenden: t = 1,1 × 10 000 × 0,000 001 = 0,011 s = 11 ms. Das überbrückt das typische Prellzeitfenster von 5–10 ms eines taktilen Tasters zuverlässig.
Tipps zur Bauteilauswahl
Widerstände sollten zwischen 1 kΩ und 1 MΩ liegen. Unterhalb von 1 kΩ kann die Ausgangsstufe nicht genug Strom liefern, um den Kondensator durch beide Widerstände zu laden; oberhalb von 1 MΩ verfälschen Leckströme im Kondensator und an den IC-Eingängen das Timing. Für präzise Anwendungen 1-%-Metallschichtwiderstände verwenden.
Kondensatoren: Für Timing-Zeiten oberhalb einiger zehn Millisekunden werden voraussichtlich Elektrolyt- oder Tantalkondensatoren benötigt. Elektrolytkondensatoren haben einen erheblichen Leckstrom, der einen effektiven Parallelwiderstand bildet und dazu führt, dass die tatsächliche Zeitperiode kürzer als berechnet ausfällt – insbesondere bei hohen Kapazitätswerten. Für Präzisionsanwendungen hochwertige, leckstromarme Kondensatoren verwenden. Für Timing unterhalb einer Millisekunde sind Keramik- oder Folienkondensatoren zu bevorzugen.
Stets einen keramischen 100-nF-Bypass-Kondensator zwischen Vₛₛₛ (Pin 8) und GND (Pin 1) so nah wie möglich am Chip platzieren. Ohne ihn können Schalttransienten auf der Versorgungsleitung Fehlauslösungen und unregelmäßiges Timing verursachen.
Häufige Fehler
- Einheitenverwechslung: Die Formel verwendet Ohm, Farad und Sekunden. Wird C in Mikrofarad angegeben (z. B. 0,1), vor der Formelanwendung durch Multiplikation mit 10⁻⁶ in Farad umrechnen. Der Rechner auf dieser Seite akzeptiert Mikrofarad direkt und übernimmt die Umrechnung automatisch.
- Das 50-%-Tastverhältnis-Limit überschreiten: Im Standard-Astabilen-Betrieb liegt das Tastverhältnis immer über 50 %, da R1 im Ladepfad, nicht aber im Entladepfad liegt. Um ein Tastverhältnis von 50 % oder darunter zu erreichen, eine 1N4148-Diode parallel zu R2 schalten, Kathode in Richtung Pin 7. Dadurch wird R2 beim Laden umgangen, sodass tHigh ≈ 0,693 × R1 × C und tLow ≈ 0,693 × R2 × C gilt.
- Den Entkoppelkondensator an Pin 5 vergessen: Der Steuerspannungs-Pin ist direkt mit dem internen Spannungsteiler verbunden. Rauschen an diesem Pin verschiebt die Schwellspannungen und verursacht Jitter in der Ausgangsfrequenz. Auch wenn Pin 5 nicht zur Frequenzmodulation genutzt wird, sollte er über einen 10-nF-Keramikkondensator mit Masse verbunden werden.
- RESET (Pin 4) unbeschaltet lassen: Ein offener Reset-Pin kann durch Störungen zufällig auf Low gezogen werden, was die Schaltung zu unvorhersehbaren Zeiten zurücksetzt. Pin 4 immer an Vₛₛₛ legen, sofern er nicht aktiv genutzt wird.
So verwenden Sie dieses Tool
Waehlen Sie den Modus (astabil oder monostabil), geben Sie die gewuenschte Frequenz oder Pulsdauer ein. Das Tool berechnet die benoetigten Bauteilwerte und zeigt das Schaltbild und die Timing-Kurve.
Typische Anwendungen
- LED-Blinker — astabil mit niedriger Frequenz (0,5-2 Hz).
- Tonerzeuger — astabil im hoerbaren Bereich (20 Hz - 20 kHz).
- PWM-Generator — Motorsteuerung und LED-Dimmung durch variables Tastverhaeltnis.
- Entprellschaltung — monostabil zum Entprellen mechanischer Taster und Schalter.
- Zeitverzoegerung — monostabil als Einschaltzeitverzoegerung oder Timeout-Schaltung.
Haeufig gestellte Fragen
Gibt es modernere Alternativen zum 555?
Ja: Mikrocontroller (ATtiny, ESP32) bieten mehr Flexibilitaet. Aber der 555 ist einfacher, braucht kein Programmieren, funktioniert mit weitem Spannungsbereich (4,5-16V) und ist extrem robust. Fuer einfache Timer-Aufgaben ist er immer noch die beste Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen NE555 und CMOS 555?
Der originale NE555 (bipolar) verbraucht ca. 10 mA Ruhestrom. CMOS-Varianten (TLC555, ICM7555) verbrauchen nur 50-250 uA. CMOS funktioniert ab 2V statt 4,5V. Fuer batteriebetriebene Anwendungen: immer CMOS verwenden.
Was ist die maximale Versorgungsspannung eines 555-Timers?
Der bipolare NE555 arbeitet von 4,5 V bis 15 V; SA555 und SE555 sind bis 18 V spezifiziert. CMOS-Varianten wie TLC555, LMC555 und ICM7555 arbeiten ab nur 1,5 V bis 15–16 V und ziehen deutlich weniger Ruhestrom (typischerweise 60–200 µA gegenüber 3–15 mA beim bipolaren Typ), was sie zur bevorzugten Wahl für batteriebetriebene Designs macht.
Kann der 555 eine LED direkt ansteuern?
Ja. Pin 3 kann bis zu 200 mA liefern und aufnehmen (wobei der sichere Dauerbetriebswert eher bei 100 mA liegt). Eine LED wird angesteuert, indem man sie in Reihe mit einem strombegrenzenden Widerstand zwischen Pin 3 und Vₛₛₛ schaltet (LED leuchtet bei Low-Ausgang, aktiv-Low) oder zwischen Pin 3 und GND (LED leuchtet bei High-Ausgang, aktiv-High). Bei 5-V-Versorgung und einer typischen roten LED (Vf = 2 V) liefert ein 150-Ω-Widerstand etwa 20 mA: (5 − 2) ÷ 150 = 20 mA.